Holzschnitt-Mappe der Kunstgewerbeschule in Essen 1926

Der Stichel. Original Holzschnitte der Kunstgewerbeschule Essen. Jahrgang 1, Heft 5-6. Selbstverlag der Kunstgewerbeschule / G.D. Baedeker, Essen 1926. Original-Flügelmappe mit montiertem Deckelschild, enthält ein Titelblatt und  17 (von 20) Original-Holzschnitte in unterschiedlichen Formaten, wie erschienen jeweils unter Passepartout (32 x 32 cm) und mit dem Stempel der Schule. Der Leinenrücken der Mappe stark rissig, Vorderdeckel teils fleckig, die Blätter im wesentlichen gut erhalten. Es fehlen drei Holzschnitte sowie ein Blatt mit dem Verzeichnis der beteiligten Schüler und Schülerinnen. Von den Verschlußbändern ist nur noch eines vorhanden, immerhin. Laut KVK erschienen nur 3 Ausgaben, dies hier ist ein Exemplar der letzten. (verkauft)

Ein schöne Mappe, erschienen in einer guten Zeit für so etwas. Es heißt, dass es sich hier um die Klasse von Karl Rössing handelte, allerdings gibt es in den verschiedenen biographischen Darstellungen widersprüchliche Angaben über seine Lehrtätigkeit. Dies dürfte seine Grund darin haben, dass die Kunstgewerbeschule noch 1926 in  die „Handwerker- und Kunstgewerbeschule Essen“ aufging, diese wiederum 1927 / 28 in die berühmte Folkwangschule (aus der inzwischen die Folkwang Universität der Künste wurde). Karl Rössing jedenfalls war ab 1921 in Essen und unterrichtete Buchgewerbe und Graphik, und da die Folkwangschule erst 1927 gegründet wurde, kann es ja nur die Kunstgewerbeschule gewesen sein, an der unsere Mappe entstanden ist. Für die Zuschreibung sprechen auch stilistische Aspekte sowie die Tatsache, dass manches in dieser Mappe offensichtlich im Rahmen als (Buch-) Illustration entstanden ist.

Karl Rössing, geboren 1897 in Gmunden (Österreich), gestorben 1987 in Wels, ist heute vor allem durch seine zunächst im Holzschnitt bzw. Holzstich ausgeführten Graphik- und Illustrationsfolgen bekannt, vor allem für die 1932 von der Büchergilde Gutenberg als Buch veröffentlichte Folge „Mein Vorurteil gegen diese Zeit“. Die steht künstlerisch im Kontext der Neuen Sachlichkeit, erscheint aber heute als politisch recht unklar. Zeitkritisch war das, keine Frage, aber wofür genau stand der Künstler? Widersprüchlich verhielt sich Rössing denn auch während des NS. Nach 1945 wandte er sich, sagen wir mal: metaphysischen Themen zu und wechselte zum Linolschnitt als bevorzugter Technik.

Neben seine eigenen künstlerischen Arbeit war Rössing über Jahrzehnte hinweg als Lehrer, später als Professor tätig. Schon mit 22 Jahren begann er in Essen an eben der Kunstgewerbeschule das Fach Buchgewerbe und Graphik zu unterrichten (und nur die kann es ein, wurde doch die Folkwangschule erst 1927 gegründet). Während des NS unterrichtete er an der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin, nach dem Krieg vor allem in Stuttgart. Zu seinen bekanntesten Schüler zählen so unterschiedliche Künstler wie Friedrich Meckseper,  Hans Peter Willberg, Romuald Hengstler sowie der Exilant und 1938 als Mitkämpfer der Spanischen Republik gefallene Heinz Kiwitz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.