Die Mitgliederzeitschrift der Büchergilde Gutenberg im Jahr 1933

Die Büchergilde. Zeitschrift der Büchergilde Gutenberg. Heft 1 – 12,  Berlin, 1933. Gr. 8°, 96, (4), 112 S. (verkauft) Lose beiliegend noch ein Verlagswerbeblatt für das Weihnachtsbuch 1933 der Büchergilde („Eugen Hiltensperger“)

Ein kompletter Jahrgang, könnte man meinen, aber so wirklich komplett wäre er erst, wenn die Hefte 6 bis 12 auch in der Züricher Ausgabe mit dabei wären.  Aber auch so ist manches aus def Geschichte des Jahres 1933 an dem vorliegenden Jahrgang sehr plastisch nachvollziehbar.

Die Büchergilde Gutenberg ist bekanntlich 1924 von dem freigewerkschaftlichen (also SPD-nahen) Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker gegründet worden und hatte ihren Sitz dann in dem 1926 fertig gestellten Haus der Buchdrucker von Max Taut, ein wirklich schöner Art Deco-Bau, der noch heute in der Berliner Dudenstraße zu bestaunen ist. Redakteur der Zeitschrift war bis einschließlich des April-Heft, das ja Ende März fertiggestellt wurde, der Linkssozialist Erich Knauf, der später, während des Krieges, in Folge einer Denunziation von den Nazis ermordet wurde. Dass Knauf auch nach der sog. „Machtergreifung“ der Nazis im Amt blieb und die Struktur der Büchergilde zunächst nicht wesentlich angetastet wurde, hatte seinen Grund darin, dass im Fokus der Nazi-Repressalien zunächst andere standen. Dies änderte sich nach dem Reichstagsbrand und dann im Vorfeld des 1. Mais, an dem die „Gleichschaltung“ der Gewerkschaften erfolgen sollte.  Dies ist auch ablesbar am (Ende April fertiggestellten) Mai-heft: nicht nur, dass Knauf durch den unverfänglicheren Arbeiterdichter Johannes Schönherr ersetzt wurde, auch in typographischer und inhaltlicher Hinsicht ist dieses Heft voller Konzessionen. Am 1. Mai nun wurde mit großem Aufwand ein nazifizierter Maifeiertag, nun als „Tag der nationalen Arbeit“, und am 2. Mai besetzen SA-Leute etc. Gewerkschaftseinrichtungen, so auch das Buchdruckerhaus. In der Folge wurde die Büchergilde in ein Organ der Nazis umgewandelt, während ein Teil der alten, gewerkschaftlichen MacherInnen ins Exil ging und dort, ausgehend von den Filialen der Büchergilde in Wien, Prag und Zürich (von denen dann Wien und Prag bis 1938 verloren gingen), ihre Arbeit fortsetzten. Die Berliner Gilde aber wurde im Ungeist der Zeit fortgeführt, und leider war es so, dass dies von einem Teil der alten Mitarbeiter ins Werk gesetzt wurde, so etwa von dem früheren Sozialdemokraten Max Barthel, der ab Sommer 1933 den Schriftleiter gab. An der zeitschrift ist das so ablesbar, dass ds Juni Heft nur als vierseitiges Provisorium erschien, und dann ab Juli wieder reguläre Hefte erschienen, allerdings mit dem NS-Regime gemäßen Inhalten und ebensolcher Gestaltung. das ist natürlich keine erschöpfende Darstellung, aber schon aus dem hier ausgebreiteten material sollte deutlich werden, dass es zwar einerseits die „Gleichschaltung“ (und den Widerstand dagegen)) gab, andererseits aber auch in gewissem Maße eine „Selbstgleichschaltung“. Und tatsächlich war im damaligen Sprachgebrauch, wie er etwa auch in die Belletristik eingegangen ist, oft genung von die Rede, jemand habe „sich gleichgeschaltet“. Das alles schmälert natürlich nicht den Respekt vor denen, die das nicht getan haben, oder die sich aktiv widersetzt haben.

Literatur (u.a.): Jürgen Dragowski: Die Geschichte der Büchergilde Gutenberg in der Weimarer Republik. Essen, 1992.

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