Poesie schmeckt gut eV. – Expressionismus – BAADER Holst

In Jena gibt es den Verein „Poesie schmeckt gut“, der einerseits die Lyrikreihe „Versensporn“ herausgibt, dann ein Archiv um den Hallenser Punk-Poeten „Matthias“ BAADER Holst betreut und dann noch Gedenkprojekte organisiert, also die Errichtung von Grabsteinen oder Gedenktafeln für Dichter / Dichterinnen wie John Höxter, Siegmund und Betty Kalischer oder Frida Bettingen.

Die von Tom Riebe herausgegebene Reihe „Versensporn“ umfaßt bislang 30 Hefte, wobei etwa zwei Drittel der Hefte Texte des (historischen) Expressionismus bringen, die anderen solche von Autoren, die aus der abseitigen Literaturszene der DDR kommen oder von zeitgenössischen Autoren aus ganz anderen Kontexten. Expressionismus – Punk, wie paßt das zusammen? Im sozialistischen Literatur-Kanon war lange kaum Platz für den Expressionismus, zweifellos eine Nachwirkung der Ismen-Feindlichkeit der offiziösen KPD-Kulturpolitik der 20er Jahre (Stichworte: Gertrud Alexander) und der sog. Expressionismusdebatte um 1937/38, als von Seiten von Lukacs u.a der literarische Expressionismus zu einem Vorläufer des Nationalsozialismus erklärt wurde, was hinsichtlich einiger tatsächlich „brauner“ Expressionisten natürlich richtig, bezogen auf die ganze Strömung natürlich quatsch ist. (siehe hierzu zB. die 1973 erschienene Dokumentation von Hans-Jürgen Schmitt) Und dann gab es zu DDR-Zeiten noch all die Formalismus-Kampagnen. Insofern haftete dem Wiederentdecken dieses und anderer Ismen bis in die 80er Jahre hinein ein gewisser Nonkonformismus an, und tatsächlich haben diese Wiederentdecker wie Fritz Mierau, Karlheinz Barck, Peter Ludewig u.a. sehr spannende Bücher herausgebracht, wobei es wohl so war, wie Mierau irgendwo in seinen Memoiren schreibt, dass für jedes Buch, das realisiert werden konnte, ein anderes durch die Kulturbürokratie verhindert wurde.

Abgesehen davon scheint es zwischen dem alten Expressionismus und der Gegen(?)-Kultur der 80er verschiedene Parallelen / Verbindungen zu geben: der radikale Subjektivismus, Entfremdungserfahrungen, Außenseitertum, Leiden an sich selbst und an der Gesellschaft, Selbstzerstörung, und das Aufbegehren, der rebellische Gestus. So sieht es jedenfalls aus meiner (Außen-)Perspektive aus. („Außen“ schon allein wg. Westsozialisation)

Wie haben diverse Versensporn-Hefte im Laden, ansonsten sind diese natürlich über die homepage des Vereins zu bestellen:

www.poesieschmecktgut.de

Und wie es der Zufall will, haben wir hier seit einer Weile ein Original-Foto von BAADER Holst im Bestand. Na das paßt doch.

Original-Foto (Silbergelatine-Abzug) von Hartmut Beil, verso mit Fotografen-Stempel und von Hand beschriftet:

Matthias Baader Holst, Sprechperformance, musikalisch begleitet Frigitte Hodenhorst Mundschenk, 1989 (Ausschnitt).

Format (Blatt) 30 x 24 cm. EUR 120,-

(Frigitte usw. war der Name des Liveprojekts um Baader Holst, dazu gehörten noch Bo Kondren, Flake Lorenz und Klaus Maus). Baader Holst starb bekanntlich am 30. Juni 1990, nachdem er eine Woche zuvor nachts in Berlin-Mitte von einer Straßenbahn angefahren wurde.

 

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